Abstillen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Aktualisiert: 22. Sept.
Früher oder später beschäftigt viele stillende Mütter die Frage:
„Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abstillen?“
Die Antwort ist vielleicht beruhigender, als du denkst: Den einen perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Wann eine Stillbeziehung endet, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Dabei spielen die Bedürfnisse deines Kindes, deine eigenen Wünsche und eure individuelle Familiensituation eine wichtige Rolle.
Manche Kinder stillen sich irgendwann von selbst ab. Andere möchten noch lange die Brust. Und manche Mütter merken, dass sie für sich eine Veränderung wünschen.
All das darf sein.
Was empfiehlt die aktuelle deutsche Leitlinie zum Stillen?
Mit der ersten deutschen S3 Leitlinie zur Stilldauer gibt es inzwischen eine evidenzbasierte Orientierung für Familien und Fachpersonen.
Wie lange empfiehlt die Leitlinie zu stillen?
Die Leitlinie empfiehlt, reifgeborene Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich oder überwiegend zu stillen.
Auch nach Einführung der Beikost soll weitergestillt werden. Insgesamt wird eine Stilldauer von mindestens zwölf Monaten empfohlen.
Diese Empfehlung orientiert sich an den gesundheitlichen Vorteilen, die in wissenschaftlichen Untersuchungen für Mutter und Kind beobachtet wurden.
Bedeutet das, dass jede Mutter zwölf Monate stillen muss?
Nein.
Die Empfehlung der Leitlinie ist ein medizinischer Orientierungswert und kein Zwang.
Stilldauer ist eine individuelle Entscheidung
Wie lange gestillt wird, entscheiden letztlich Mutter und Kind. Nicht jede Familie kann oder möchte zwölf Monate oder länger stillen.
Deshalb sollte die Empfehlung nicht dazu führen, dass Mütter sich unter Druck gesetzt oder schuldig fühlen.
Auch wenn du früher abstillst, bedeutet das nicht, dass du etwas falsch gemacht hast.
Genauso wenig musst du abstillen, nur weil dein Kind ein bestimmtes Alter erreicht hat.
Welche Vorteile hat längeres Stillen?
Stillen bietet nicht nur in den ersten Lebensmonaten gesundheitliche Vorteile.
Vorteile für das Kind
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen unter anderem Zusammenhänge zwischen dem Stillen und einem geringeren Risiko für bestimmte Infektionen, beispielsweise Magen Darm Infektionen und Mittelohrentzündungen.
Auch darüber hinaus werden weitere mögliche gesundheitliche Vorteile untersucht.
Auch für die Mutter kann längeres Stillen Vorteile haben
Auch für Mütter werden gesundheitliche Vorteile des Stillens beschrieben.
Die Empfehlung für eine längere Stilldauer berücksichtigt deshalb die gesundheitlichen Aspekte für Mutter und Kind.
Dabei gilt jedoch immer: Gesundheitliche Empfehlungen sind eine Orientierung und keine Vorgabe dafür, wie lange eine einzelne Mutter stillen muss.
Wie lange würden Kinder sich aus evolutionärer Sicht selbst abstillen?
Ein interessanter Blick auf die menschliche Entwicklung kommt aus der Anthropologie.
Verschiedene wissenschaftliche Modelle gehen davon aus, dass Kinder unter natürlichen Bedingungen häufig deutlich länger gestillt worden wären, als es in vielen westlichen Gesellschaften heute üblich ist.
Langes Stillen ist biologisch nichts Ungewöhnliches
Je nach Modell werden natürliche Abstillalter zwischen etwa dem zweiten und siebten Lebensjahr diskutiert.
Das zeigt vor allem eines: Längeres Stillen ist aus biologischer Sicht nichts Ungewöhnliches.
Es bedeutet jedoch nicht, dass jede Familie so lange stillen sollte. Evolutionäre Betrachtungen zeigen, was unter bestimmten natürlichen Bedingungen wahrscheinlich war. Sie geben nicht vor, wie eine Familie heute leben muss.
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abstillen?
Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum eine Mutter oder eine Familie über das Abstillen nachdenkt.
Vielleicht möchtest du wieder mehr Freiraum für dich haben. Vielleicht belastet dich das häufige nächtliche Stillen. Vielleicht steht der Wiedereinstieg in den Beruf bevor.
Oder dein Kind zeigt immer weniger Interesse an der Brust und du hast das Gefühl, dass ihr beide bereit für den nächsten Schritt seid.
Gründe für das Abstillen können ganz unterschiedlich sein
Vielleicht möchtest du abstillen, weil:
• du dir wieder mehr körperlichen Freiraum wünschst
• dich das nächtliche Stillen zunehmend erschöpft
• du wieder arbeiten gehen möchtest
• dein Kind immer weniger Interesse an der Brust zeigt
• du körperlich oder emotional an deine Grenzen kommst
• oder ihr beide das Gefühl habt, dass eure Stillzeit langsam zu Ende geht
All diese Gründe dürfen da sein.
Du musst deine Entscheidung nicht gegenüber anderen rechtfertigen.
Muss Abstillen plötzlich erfolgen?
Nein. In vielen Situationen kann ein schrittweises Abstillen eine gute Möglichkeit sein.
Gerade wenn dein Kind noch häufig gestillt wird, kann es angenehmer sein, die Stillmahlzeiten nach und nach zu reduzieren.
Schritt für Schritt abstillen
Durch ein langsames Vorgehen bekommt dein Kind Zeit, sich an die Veränderung zu gewöhnen. Gleichzeitig kann sich auch deine Brust nach und nach an die geringere Nachfrage anpassen. Wie schnell ihr dabei vorgeht, kann ganz unterschiedlich sein.
Manchmal wird zunächst eine Stillmahlzeit weggelassen. In anderen Familien wird zuerst das nächtliche Stillen verändert oder eine bestimmte Situation, in der das Stillen besonders häufig eingefordert wird. Dabei gibt es keinen festen Plan, der für jede Familie funktioniert.
Abstillen bedeutet nicht das Ende eurer Bindung
Viele Mütter verbinden das Stillen mit ganz besonderen Momenten von Nähe und Geborgenheit. Deshalb kann der Gedanke ans Abstillen auch emotional sein.
Vielleicht fragst du dich: „Verliert mein Kind dann einen Teil unserer Nähe?“
Die Antwort ist: Nein.
Nähe gibt es auch ohne Stillen
Bindung entsteht nicht ausschließlich durch das Stillen.
Auch nach dem Abstillen bleiben viele Möglichkeiten für Nähe und Geborgenheit:
• Kuscheln
• Tragen
• gemeinsames Einschlafen
• Vorlesen
• Spielen
• Körperkontakt
• liebevolle Zuwendung
Die Form eurer Nähe kann sich verändern, aber eure Beziehung bleibt bestehen.
Was, wenn ich eigentlich noch nicht abstillen möchte?
Manchmal entsteht der Wunsch nach dem Abstillen nicht aus der eigenen Entscheidung, sondern durch äußeren Druck.
Vielleicht sagen andere Menschen, dein Kind sei „zu alt“ zum Stillen. Vielleicht bekommst du Kommentare aus deinem Umfeld oder fragst dich selbst, ob du überhaupt noch stillen solltest.
Du darfst euren eigenen Weg finden
Wenn sich das Stillen für dich und dein Kind weiterhin gut anfühlt, gibt es keinen Grund, allein aufgrund der Erwartungen anderer abzustillen.
Genauso darfst du dich aber auch für das Abstillen entscheiden, wenn du merkst, dass du nicht mehr weiterstillen möchtest.
Beides darf richtig sein.
Unterstützung bei Stillen und Babyschlaf
Gerade wenn das Stillen eng mit dem Einschlafen verbunden ist, kann das Abstillen auch Fragen rund um den Schlaf mit sich bringen.
Vielleicht schläft dein Kind nur an der Brust ein oder möchte nachts bei jedem Aufwachen gestillt werden. Dann kann die Vorstellung, gleichzeitig abzustillen und etwas am Schlaf zu verändern, zunächst herausfordernd wirken.
Bei Childsleep unterstützen wir Familien dabei, ihren individuellen Weg zu finden. Dabei geht es nicht darum, Stillen oder Nähe einfach wegzunehmen.Wir schauen gemeinsam darauf, welche Veränderungen für euch sinnvoll sind und wie ihr sie liebevoll und bindungsorientiert gestalten könnt. Wenn du Unterstützung beim Abstillen in Verbindung mit dem Schlaf deines Kindes benötigst, kannst du bei uns gerne eine individuelle Schlafberatung buchen.
Fazit: Den einen richtigen Zeitpunkt zum Abstillen gibt es nicht
Die aktuelle deutsche S3 Leitlinie empfiehlt, reifgeborene Babys bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich oder überwiegend zu stillen und nach Einführung der Beikost weiterzustillen. Insgesamt wird eine Stilldauer von mindestens zwölf Monaten empfohlen.
Diese Empfehlung soll Familien Orientierung geben. Sie bedeutet jedoch nicht, dass jede Mutter zwölf Monate oder länger stillen muss.
Der richtige Zeitpunkt zum Abstillen ist der Zeitpunkt, der zu dir, deinem Kind und eurer Familie passt.
Vielleicht stillst du einige Monate, vielleicht ein Jahr oder deutlich länger. Vielleicht entscheidet ihr euch gemeinsam für ein langsames Abstillen oder dein Kind stillt sich irgendwann selbst ab.
Es gibt viele verschiedene Wege.
Und egal, für welchen du dich entscheidest: Du darfst deinen eigenen Weg gehen, ohne Druck und ohne Schuldgefühle.






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